Cleopatra, Cäsar und Manfred

 

Als Manfred geboren wurde, es war ein warmer Frühlingstag, staunte Cäsar nicht schlecht, denn er war bereits im hohen Greisenalter angekommen. Teilweise war er schon etwas durcheinander, sehr müde und verwirrt, wir hatten ihm eigentlich kein Sexualleben mehr zugetraut. Außerdem ,Cleopatra hatte ihn nicht über die Schwangerschaft informiert, sie war eine so Eigenwillige, teilweise Angriffslustige und Störrische, Mann hatte es nicht leicht mit ihr. So staunte Cäsar dieses neue Wesen lange an. Es war ein Manfred geworden, ein so liebes kleines, braunharriges zotteliges Baby.

Sogar Cäsar wurde nach stundenlangem Staunen wieder etwas munterer und nahm mehr Anteil am Leben. Die Schafgarben sprossen gerade frisch aus dem Boden und diese liebten Cäsar und Cleopatra sehr.

Aber dieses neue Leben war von sehr kurzer Dauer. Keine drei Monate waren ihnen als neue Familie beschert. Die tragischen Ereignisse des Endes zeichneten sich überhaupt nicht ab, für uns kam die Tragödie wirklich aus heiterem Himmel.

Am Morgen war ich noch bei ihnen und brachte faule Äpfel mit, die vor allem Cäsar liebte, da er nicht mehr so gut beißen konnte, ich rief Cleopatra recht lange und intensiv, bis sie endlich kam, Manfred sprang um sie herum, er tat keinen Schritt alleine.

Später brachte ich ihnen einen Kübel frisches Wasser, da sah ich voller Entsetzen, dass Cäsar Selbstmord begangen hatte. Er lag regungslos verwickelt im elektrischen Zaun, ich holte schnell meinen Mann und wir konnten ihn nur mit großer Mühe befreien, er war tot, Stromschlag.

Cleopatra und Manfred nahmen sehr wenig Notiz vom ganzen Geschehen, sie wirkte völlig distanziert und emotionslos, da keimte in uns ein Verdacht auf, vielleicht hat Cäsar gar nicht Selbstmord begangen, vielleicht war es Mord. Sie benahm sich wirklich sehr eigenartig. Und Manfred war natürlich noch viel zu klein um zu verstehen.

Unser Verdacht bestätigte sich weiter in Richtung Cleopatra, derweil wir so beschäftigt waren Cäsar zu befreien, ging sie mit Manfred stiften.

Das alles passierte an einem Sonntag und den Nachmittag verbrachten wir rufend und suchend, mir einem Korb Äpfeln bewaffnet, durchforsteten wir die gesamte Umgebung nach unseren verloren gegangenen Schafen.

Nach Stunden hatten wir sie gefunden und wollten sie auf die Koppel bringen, es gelang uns nicht. Sie weigerte sich standhaft, diese Weide wieder zu betreten, wir wissen es nicht, waren es Gewissensbisse, war es ihr peinlich, oder hatte sie womöglich sogar ein Trauma davongetragen, war vielleicht eine Rauferei der Tragödie vorangegangen.

Cleopatras Beharrlichkeit siegte und sie kam mit Manfred ins Ziegengehege. Dort leben sie nun, Cleo streitet mit allen und Manfred hört neuerdings nicht mehr auf seinem Namen, und wenn ich in Gedanken bin, mich an Cäsar erinnere und seinen Namen vorm mich hin seufze, dann kommt Manfred blitzschnell angelaufen, ob es wirklich Seelenwanderung gibt?